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WOLFSBERG in kärnten

Künstlerpersönlichkeiten

Die lebendige Wolfsberger Kulturszene zeigt durch ständig neue Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Ausstellungen das vielfältige Werk der heimischen Kulturschaffenden. Wolfsberg war und ist die Heimat vieler Literaten, Musiker und Künstler. Anschließend finden Sie einige Informationen zu Persönlichkeiten welche die Kulturlandschaft prägten.






 

 

 

 

Christine Lavant (1915 – 1973)

Christine Lavant, mit bürgerlichem Namen Christine Thonhauser, wurde 1915 als neuntes Kind einer Bergarbeiter-Familie in St. Stefan geboren. Ihr Vater war im Kohlebergbau in St. Stefan beschäftigt. Die Kinder wuchsen in armen Verhältnissen auf. Christine war zudem häufig krank, wodurch sie weder ihre Schulausbildung abschließen noch einen Beruf erlernen konnte. Nach dem Tod ihrer Eltern heiratete sie 1939 den mittelosen Maler Josef Benedikt Habernig und verdiente mit Strickarbeiten etwas Geld. Von ihrem Augenarzt Adolf Purtscher bekommt die Bücher-Liebende junge Frau schließlich einen Gedichtband von Rainer-Maria Rilke geschenkt.

Bereits 1932 reichte Christine Thonhauser ein Roman-Manuskript beim Grazer Verlag Leykam ein. Nach Ablehnung vernichtete sie aber alle bis dahin entstandenen Arbeiten. Ab 1945 nahm sie ihre schriftstellerische Arbeit wieder auf und veröffentlichte seitdem ihre Werke mit dem Künstlernamen Christine Lavant. 1948 erschien das erste Werk, die Erzählung „Das Kind“. Christine Lavants Durchbruch in literarischen Kreisen gelang 1956 mit der Veröffentlichung des Gedichtbands „Die Bettlerschale“. Dieser Band gilt gemeinsam mit „Spindel im Mond“ 1959 und „Der Pfauenschrei“ 1962 als ihr lyrisches Hauptwerk.


Als Ungemein bestürzend könnte man die Texte von Christine Lavant empfinden und bezeichnen. Die Worte, die ihre innere Welt beschreiben, sind gekennzeichnet von Armut und Krankheit, Schmerzen und Tod. Ebenso schrieb sie über die Einsamkeit, unter der sie ihr Leben lang litt und auch über die Religion. Sie wird auch als geheimnisvolle Lyrikerin, ringend „zwischen Licht und Finsternis“ beschrieben.


Lebenslang kämpfte sie immer wieder mit dem Alleinsein und dem Gefühl nicht verstanden zu werden. Dies führte dazu, dass sie sich selbst in die Psychiatrische Abteilung des Landeskrankenhauses einweisen lies. 1946 schrieb sie die Erzählung „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“, in der sie eindrücklich über ihre Zeit dort berichtete. Der Text wird aber erst 1973 posthum veröffentlicht.


Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt sie 1954 und 1964 den Georg-Trakl-Preis für Lyrik und 1970 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. 1973 starb die Schriftstellerin in St. Stefan im Lavanttal wo sich auch ihr künstlerisch gestaltetes Grab befindet.


Der Christine Lavant Lyrikpreis und das Christine Lavant Symposion in Wolfsberg haben viel zur Neuinterpretation des Werkes beigetragen. Wir empfehlen ihnen auch einen Besuch im Musil-Museum in Klagenfurt in dem der Wohnraum der Lyrikerin mit dem originalen Mobiliar zu sehen ist. Kleinere Dokumentationen finden sie auch in ihrem Heimatort St. Stefan im Haus der Musik und der Volksschule.



Gerhart Ellert (1900 – 1975)

Am 26. Jänner 1900 kam Gertrud Schmirger in der Lavanttaler Bezirkshauptstadt Wolfsberg zur Welt. Sie war das einzige Kind des Ehepaares Camillo und Gabrielle Schmirger, ihr Vater war Primararzt im Krankenhaus Wolfsberg. Gertrud besuchte keine öffentliche Volksschule, sondern erwarb sich das Wissen zu Hause. Später nahm sie Privatstunden im Benediktinerstift St. Paul. Nach der mit Auszeichnung bestandenen Matura als Externistin betrieb sie Hochschulstudien in Wien und Graz, die in erster Linie der Erweiterung ihrer Allgemeinbildung dienten. Ihre besondere Verbindung mit dem Stift St. Paul hielt lebenslang an, in ihrem Testament wurd das Stift mit dem literarischen Nachlass und umfangreichen Besitzungen bedacht.

Als im Jahre 1922 der Vater starb, baute sie gemeinsam mit ihrer Mutter ein Obstgut und eine Baumschule auf. Ab diesem Zeitpunkt war es den beiden Frauen möglich, während der arbeitsfreien Wintermonate ausgedehnte Reisen zu unternehmen. Den geglückten Aktivitäten als Unternehmerin folgte ab Mitte der Dreißigerjahre eine überaus erfolgreiche literarische Tätigkeit. Die Reisen baten ihr nicht nur die Möglichkeit des Kennenlernens fremder Länder, sondern dienten auch dem Quell- und Milieustudium für ihre literarischen Arbeiten.

Im Jahre 1933 bat sie ihren historischen Roman "Der Zauberer" dem Speidel-Verlag an, der das Werk annahm, jedoch den Wunsch nach einem männlichen Pseudonym äußerte. Die Autorin wählte den Namen GERHART ELLERT. Dieser entstand durch die Zusammensetzung der Namen von zwei Menschen, die ihr besonders nahe standen - durch den ihrer Mutter Gabrielle und den des St. Pauler Paters Engelbert Olbert.

Neben zahlreichen anderen Ehrungen und Preisen wurde sie 1959 mit den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet.



Josef Benedikt Habernig (1879 - 1964)

Josef Benedikt Habernig stammte vom Gut Straußhof in Aich bei St. Jakob nahe Klagenfurt und zeigte schon in seiner Jugendzeit eine besondere Vorliebe für die Malerei. Seine Liebe galt der Landschaftsmalerei und den Stadtansichten, wobei er seine Motive in tagelangen Wanderungen in Kärnten, aber auch bei zahlreichen Aufenthalten in Italien, fand. Schon sehr früh gab es intensive Kontakte zur Kärntner Kunstszene, zu Oskar Ritter von Pistor und Eduard Manhart, in späteren Jahren zu Simon Michor, Anton Kolig und Franz Wiegele aus dem Nötscher Kreis sowie zu Wilibald Zunk und Ernst Riederer. Nach dem Verkauf des elterlichen Anwesens und schwieriger familiärer Entwicklungen verarmte Habernig und lebte fortan von seiner Malerei, die aber in den wirtschaftlichen Krisenzeiten nur eine prekäre Lebensbasis schaffen konnte. Im Jahre 1930 zog der Künstler ins Lavanttal.

1937 lernte er die um 36 Jahre jüngere Christine Thonhauser (Christine Lavant) kennen. Zwei Jahre danach heirateten die beiden und fanden in St. Stefan ihren Lebensmittelpunkt. Das Zusammenleben gestaltete sich allein schon aufgrund der äußeren Lebensumstände oft schwierig und war in späteren Jahren von Entfremdung geprägt. 1963 erlitt Habernig einen Schlaganfall und starb 1964 in Klagenfurt.

Das künstlerische Schaffen von Josef Benedikt Habernigs fand Anerkennung in der zweimaligen Einladung zur Teilnahme an einer Gruppenausstellung bei der Biennale in Venedig sowie einem Ankauf der Albertina in Wien. Die meisten seiner Arbeiten befinden sich im Privatbesitz, denn um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, wurde vielfach auch ein Bild für die Bezahlung von Einkäufen etc. angeboten. Habernig war ein virtuoser Meister der Aquarellmalerei und der Zeichnung, wobei er mit einem vierkantigen Kohlestift auf feuchtem Papier seinen persönlichen Stil der lavierten Zeichnung schuf.



Alois Senekowitsch (1910 – 1997)

Der bei Marburg (heute Maribor, Slowenien) geborene Alois Senekowitsch wurde 1945 in Wolfsberg ansässig. Er war Zeichenlehrer an der Hauptschule Wolfsberg und am Musisch-Pädagogischen Bundesrealgymnasium Wolfsberg. Ab 1970 war er Direktor an der Hauptschule St. Marein. Die Malerei erlernte er autodidaktisch. Er erweiterte sein Wissen rund um diese Kunst bei Anton Gvajc, welcher sein Zeichenprofessor an der Lehrerbildungsanstalt in Marburg war, sowie beim Kärntner Maler Karl Truppe.

Die Arbeiten von Alois Senekowitsch vermitteln fünf Jahrzehnte intensive Beschäftigung mit der Landschaftsmalerei und bäuerlicher Architektur. Die Darstellung der heute meist nicht mehr erhaltenen Bauernhöfe und Anwesen war sehr detailgenau und stellen ein wertvolles Zeugnis bäuerlicher Architektur des Lavanttales dar.



Karl Schüßler (1941 - 2010)

Karl Schüßler kam 1941 in Wolfsberg zur Welt. Als Absolvent der kunstgewerblichen Malerschule Baden (1959 bis 1962 mit Auszeichnung) war er seit 1958 Mitglied der Gilde Unterkärnten und beteiligte sich an all ihren Ausstellungen. Sein Werk reicht von Radierungen, xylographische Arbeiten, Plastiken, Keramikarbeiten und Acrylbildern bis hin zu monumentalen Kunstprojekten. So gestaltete er 1980 bei einem Farbprojekt die 1000-Quadratmeter-Fassade des ehemaligen Imo-Marktes an der Wolfsberger Umfahrungsstraße. 1985 gestaltet er die 500 Laufmeter Betonrelief-Brückenwangen des A2 Talübergangs Wolfsberg. Kein anderer Künstler ist mit seinen Werken in der Öffentlichkeit auch nur annähernd so stark vertreten, kein anderer Künstler sorgte durch eben diese Präsenz für so viele Diskussionen über zeitgenössische Kunst in der Bevölkerung.  Schüßler war auch Mitglied des Kunstverein für Kärnten und gestaltete zahlreiche Ausstellungen.

Auch ein 1996 erlittener Schlaganfall mit folgender körperlicher Einschränkung konnte seine Schaffenskraft nicht beeinflussen. Zu seinen absoluten Lieblingsmotiven zählte der menschliche Schädel, welchen er immer wieder in zahlreichen Variationen malerisch, keramisch oder großfigural darstellte. Öffentliche Beispiele dafür sind die zwei Standbilder in den Kreisverkehrsinseln in Wolfsberg Nord und Süd.

Karl Schüßler wurde von seiner Heimatstadt Wolfsberg mit der höchsten Auszeichnung, dem Ehrenring, gewürdigt. Am 11. Dezember 2010 verstarb Karl Schüßler.